Streifzüge durch Deutschland (gebundenes Buch)

Reiseberichte
ISBN/EAN: 9783945424650
Sprache: Deutsch
Umfang: 197 S.
Format (T/L/B): 2 x 20.7 x 14 cm
Auflage: 1. Auflage 2018
Einband: gebundenes Buch
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Mary Shelley reiste in den Jahren 1840 und 1842 zwei Mal durch Deutschland, an Rhein, Mosel, Main und Saale entlang. In ihren 1844 erschienen Reisebriefen gibt sie einen anschaulichen Bericht. Wir Leser kuren mit Mary Shelley längere Zeit in Bad Kissingen, sind begeistert von den Kunstsammlungen in Berlin, erleben eine peinigende Hitzewelle in Dresden oder bewundern die einzigartige Landschaft der Sächsischen Schweiz. Wir blicken auf zahlreiche geschichtsträchtige Orte, Ruinen, Monumente und Schlachtfelder, lernen überraschende deutsche Sitten einer vergangenen Zeit kennen, und obwohl wir es mit einem vorindustriellen Deutschland zu tun haben, erleben wir bereits den frühen Alltag eines damals nagelneuen Verkehrsmittels: der Eisenbahn. Der reich illustrierte Band "Streifzüge durch Deutschland" präsentiert Mary Shelleys Reiseskizzen erstmals auf Deutsch.
Mary Shelley (1797-1851) stammte aus einer Schriftstellerfamilie, ihr Vater William Godwin war Autor u. a. des erfolgreichen Romans "Die Abenteuer des Caleb William". Ihre Mutter, die kurz nach Marys Geburt starb, war die frühe Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft. Mit 16 Jahren verliebte sich Mary Godwin in den verheirateten Dichter Percy Bysshe Shelley und brannte mit ihm durch. Während eines Aufenthalts mit Lord Byron am Genfer See entwickelte sich ein Wettbewerb um Geistergeschichten, aus dem Marys berühmter Science-Fiction-Schauerroman "Frankenstein" hervorging, der im Januar 1818 erschien. Sie schrieb weitere Romane, Erzählungen, Essays und Biografien, deren Qualitäten z. T. erst in unserer Zeit erkannt wurden, vor allem den Zukunftsroman "Der letzte Mensch" (1826).
Erster Teil: 1840 Erster Brief Das Vorhaben, den Sommer an den Ufern des Comer Sees zu verbringen. - Schöner Frühling. - Stürmisches Wetter. - Überfahrt von Dover nach Calais. - Die Diligence. - Paris. - Unsere geplante Route. Brighton, 13. Juni 1840 Mit Freude stelle ich fest, dass die zahlreichen Diskussionen dieses Frühjahrs zu einem sehr guten Ergebnis für alle Beteiligten gelangt sind. Mein Sohn und seine beiden Freunde haben entschieden, ihre Sommerferien an den Ufern des Comer Sees zu verbringen - sie wollen dort für ihr Examen lernen, das im kommenden Winter ansteht. Sie möchten gerne, dass ich sie begleite, und ich habe mit Vergnügen eingewilligt. Ist es also wirklich wahr, dass ich kurz davor stehe, Italien wiederzusehen? Wie viele Jahre sind vergangen, seit ich dieses Land verlassen habe! Ich habe dort die sterblichen Überreste meines geliebten Ehemanns und meiner geliebten Kinder zurückgelassen - Verluste, die mein ganzes Leben veränderten, die die Zeiten des glücklichen Friedens und des Austauschs tiefempfundener Gefühle durch Jahre trostloser Einsamkeit und des harten Kampfes mit der Welt ersetzten, die sich erst jetzt, da mein Sohn erwachsen wird, zu einem besseren Tag aufhellen. In jeder Silbe des Namens Italien liegt Magie. Die Aussicht, es wiederzusehen, lässt in meiner Erinnerung jene Zeit lebendig werden, in der Unglück ein leeres Wort und mein Dasein in der Welt eine sichere Heimstatt schien, die kein Übel erschüttern könnte. Gräber haben sich seither an meinem Weg geöffnet, und statt inmitten der fröhlichen Stimmen der Lebenden habe ich zwischen den verfrühten Grabsteinen derer gewohnt, die ich liebte. Inzwischen ist eine neue Generation herangewachsen - und angesichts ihrer Vorfreude lässt der Name Italien mich wieder jung fühlen, und begeistert bin ich bereit, sie mit ihnen zu teilen. Sie wissen zudem, wie schmerzlich meine Gesundheit erschüttert wurde; eine Nervenkrankheit behindert meine üblichen Tätigkeiten und stört den gewöhnlichen Ablauf meines Lebens. Das Reisen wird das alles heilen: Meine unruhigen, grübelnden Gedanken werden sich unterwegs verflüchtigen und im schnellen Wechsel der Eindrücke wird mein Denken, um es mit einem Bild zu sagen, seine zerschlissenen, verblichenen Kleider, die es so lange getragen hat, ablegen und gegen ein frisches, frohes, leuchtendes Gewand eintauschen, sobald wir jenseits der Alpen sind. Die letzten zwei Monate verbrachte ich in Richmond. Welch göttlichen Frühling wir erlebten! Während des Monats April fiel nicht ein Tropfen Regen - die Sonne schien unermüdlich -, das üppige, strahlende Laubwerk verlieh den Wäldern vorzeitig dichte Schatten. Kein Ort könnte passender sein als Richmond, das Lächeln einer derart außergewöhnlichen Jahreszeit zu genießen. Mehrere Stunden täglich verbrachte ich auf der Themse - balsamische Tage wie mitten im Sommer und voll erblühenden Lebens, was das schöne Wetter im Frühling herrlicher macht als das jeder anderen Jahreszeit. Dann ist die Erde ein Altar, aus dem ewig frische Düfte aufsteigen - nicht die fauligen Gerüche des herbstlichen Verfalls, sondern die des neuen, aufspringenden Lebens mit seinem Streben, sich auszubreiten und zu erfreuen. Ich besuchte Hampton Court und betrachtete die Kartons - diese edelste Arbeit des Fürsten der Maler. Alles war herrlich, und das zehn Mal mehr, als ich im Begriff stand, eine Kette zu zerreißen, die mich lange eingezwängt hatte: den Kanal zu überqueren und weit in ein Land zu reisen, das mir die Erinnerung als Paradies malte. Wir wollen England verlassen, sobald Cambridge seine Vorlesungszeit beschließt, und sind übereingekommen, uns alle Mitte Juni in Paris zu treffen. Ende Mai kam ich in der Absicht hierher, zur vereinbarten Zeit nach Dieppe überzusetzen. Das Wetter blieb zunächst weiter prächtig, aber nach einer Weile verschlechterte es sich zu Kälte, Nebel und Wind. Ein morbides Grausen vor der Seereise befällt mich, das ich nicht bezwingen kann. An jenem Tag, für den wir die Üb